Der Kisselwörth-Vulkan

Direkt vor meiner Haustüre, an der Südspitze der Rheininsel Kisselwörth existierte ein Vulkan, dessen Reste im Rhein verborgen sind und nur bei extremem Niedrigwasser untersucht werden können.



Steine von der Südspitze der Kisselwörth machten schon 1985 Geologen stutzig, weil sie nicht in die Umgebung passten. Erst bei dem Extrem-Niedrigwasser 2011 konnten Wissenschaftler von Universitäten, Landesämtern und Museen die Stelle genauer untersuchen und Gesteinsproben mitnehmen. Es stellte sich heraus, dass es sich um Lapilituff-Steine handelt, die typisch für vulkanische Tätigkeiten sind. Gefunden wurde der Schlot eines Maar- Vulkans, der nachweislich vor 55 Millionen Jahren aktiv war. Ein solcher Vulkantyp entsteht, wenn aufsteigendes Magma nahe der Erdoberfläche auf größere Mengen Grundwasser trifft. Es entstehen heftige Explosionen. Wenn genug Grundwasser vorhanden ist, kommt es in den nächsten Wochen und Monaten zu weiteren gigantischen Ausbrüchen, wobei herausgeschleudertes Gestein sich am Kraterrand ablagert und ein Trichter von bis zu 2 km Tiefe entsteht. Füllt sich der entstandene Krater mit Grund- und Regenwasser, entsteht ein Maar. So sind auch die bekannten Maare in der Eifel entstanden.


© Martin Schildgen, Creative Commons License

Zur Zeit des Ausbruchs des Kisselwörth-Vulkans gab es noch keine Menschen, es herrschte Treibhausklima, die Region war mit tropischem Urwald bedeckt, den Rhein gab es noch nicht, denn der Oberrheingraben begann erst 20 Mio. Jahre spter einzubrechen. Die Erdoberfläche lag wesentlich höher und wurde im Laufe der Jahrmillionen durch Erosion mehr als 300 Meter abgetragen. Deshalb sehen die Wissenschaftler heute nicht mehr den Kraterrand des Kisselwörth-Vulkans, sondern nur noch den Querschnitt des Schlotes, der zur damaligen Zeit tief in der Erde verborgen war. Auf Grund dieser starken Abtragungen ist von dem ehem. Kratersee nichts mehr vorhanden und somit sind leider auch keine Sedimente und Fossilien mehr zu finden.

Nur wenige Kilometer südlich und nördlich des Vulkanschlotes sind 5 weitere Vulkane bekannt. Das Besondere an "unserem" Vulkan ist jedoch, dass er genau auf einem Bruch des Erdmantels, einer sogenannten Störung, liegt, die tief in das Erdinnere hineinreicht. Er ist das bisher einzige bekannte Beispiel für eine solche Lage. Dieser Bruch musste schon vor 55 Mio. Jahren bestanden haben, denn erst er ermöglichte das Aufsteigen von Magma und Eindringen großer Wassermengen in tiefe Gesteinsschichten. Diese Ereignisse fanden 20 Mio. Jahre vor dem Beginn der Rheingrabenbildung statt. Der Rheingraben sinkt nachweislich seit 35 Mio. Jahren. Die Bruchkante im Erdmantel begrenzt als "Grabenrand- Hauptverwerfung" den nördlichen Oberrheingraben auf seiner Westseite und ist vom Taunus bis ins Elsass zu verfolgen. Entlang dieses Bruches ist die damalige Landoberfläche innerhalb des Grabens im Bereich Kisselwörth um ca. 1700 Meter abgesunken. Da der Oberrheingraben auch heute noch um 1 mm pro Jahr absinkt, zusäzlich die afrikanische Kontinentalplatte gegen Europa drückt, wird es durch die Spannungen in der Erdkruste immer wieder zu Erdbeben kommen und Europa lt. dem Geologen Jochen Zschau in ein paar Millionen Jahren am Graben auseinander brechen.

Obwohl ich auf solch einem "gefährlichen" Fleckchen Erde lebe, kann ich noch ruhig schlafen, denn lt. Geologen geht vom Vulkan keine Gefahr mehr aus und das Auseinanderbrechen Europas werde ich auch nicht mehr erleben "smile" .

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