Die Eisheiligen

Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen die Natur zum Erblühen gebracht haben, bringt sich der Winter meist noch einmal mit einer Kältewelle und möglichen Nacht(Boden-)frösten in Erinnerung. Seit Jahrhunderten bereits sind diese "Wintereinbrüche" bekannt und gefürchtet. Die Eisheiligen sind neben dem Siebenschläfertag wohl die bekannteste Wetterlage.

Erfahrene Gärtner raten dazu, die Eisheiligen abzuwarten, bevor man Sommerblumen auspflanzt oder empfindliche Samen in die Erde bringt. Laut altem Volksglauben wird nämlich das milde Frühlingswetter erst nach der Kalten Sophie stabil. Mit dem Begriff "Eisheiligen abwarten" ist die Zeit gemeint, in der es die letzten Nachtfröste des Frühjahrs geben kann - vom 11.-15. Mai. Auch wenn innerhalb von 10 Jahren nur zweimal mit Nachtfrösten gerechnet werden kann, sollte man die alten Bauernregeln nicht ganz außer Acht lassen, um vor Überraschungen sicher zu sein.

  • Die Eisheiligen sieht kein Gärtner gern, denn sie sind allzu gestrenge Herrn.
  • Fröste im Mai schädlich sind, gut hingegen sind die Wind.
  • Pankratius und Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.
  • Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai.
  • Wenn's an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert.
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nicht sicher bist - bis Sophie vorüber ist.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.


  • Die Regeln wurden vor Jahrhunderten von Bauern nach Erfahrungen und Beobachtungen aufgestellt, sind heute aber meteorologisch nicht mehr zu bestätigen. So sind in Trier z.B. von 1991-2006 keine Frosttage mehr aufgetreten. Trotzdem sind überraschende Kälteeinbrüche im Mai immer möglich, wobei jedoch zu bedenken ist, dass das Klima in Deutschland nicht überall gleich ist und dass Regeln, die z.B. für den Alpenraum, Nordsee, Erzgebirge und die Weinanbaugebiete im Rheingraben gleichermaßen gelten sollen, nicht möglich sind.

    Bis ca. 1850 konnte man nach dem Eintreffen der Kältewelle fast die Uhr stellen. Vom 11.-13. Mai im Norden und vom 12.-15. Mai im Süden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dieses regelmäße Auftreten der Frosteinbrüche immer seltener (vielleicht wegen des Klimawandels?). Langjährige Wetterbeobachtungen zeigen heute, dass ein Temperatursturz -wenn überhaupt- häufig erst um den 20. Mai auftritt.
    Vor "unzweifelhaft feststehenden Rückfällen der Kälte" kann man erst "nach Urban" (25. Mai) sicher sein, so sagen alte Beobachtungsregeln. Die Meteorologen bestätigen einen möglichen Kälterückfall Ende des Monats und mahnen zur Vorsicht vor den "kleinen Eisheiligen" (25./26. Mai).

    Bei all diesen Datumsangaben ist es wichtig zu beachten, dass Papst Gregor XIII 1582 eine Kalenderreform einführte und den Julianischen Kalender durch den bis heute gebräuchlichen Gregorianischen Kalender ersetzte. Bei der Kalenderreform wurden 10 Tage gestrichen, um das Sonnenjahr zu korrigieren. Da die Eisheiligen, wie alle anderen Heiligen auch, im Kalender auf ihrem angestammten Platz geblieben sind, wurden auch sie 10 Tage "verschoben". So war z.B. Pankratius im Julianischen Kalender am 22. Mai, im Gregorianischen steht er am 12. Mai. Beachtet man diese Verschiebung, dann ist mit den Auswirkungen der Kältewelle um die Zeit 21.-25. Mai zu rechnen. Dies gilt aber nur für die Regeln, die VOR der Kalenderreform aufgestellt wurden. Merkwürdig ist allerdings, dass dies nicht am Wettergeschehen aufgefallen ist.



    Wer sind diese frostigen Gesellen, die Namensgeber für eine Wetterlage sind?

    Die Heiligen waren allesamt Märtyrer oder Bischöfe aus dem 4. u. 5. Jahrhundert.

    Je nach Region werden sie die 3 Gestrengen, gestrenge Männer oder Eisheilige genannt. Regional kommen noch 2 weitere Eisheilige hinzu.

    Klicke die Namen an und Du erfärst mehr über die Heiligen.

  • 11. Mai - Mamertus (in Norddeutschland)

  •    Der hlg. Mamerz hat aus Eis ein Herz.

  • 12. Mai - Pankratius

  •    Pankratius hält den Nacken steif, sein Harnisch klirrt von Frost und Reif.

  • 13. Mai - Servatius

  •    Servatius' Mund der Ostwind ist, hat schon manch Blümlein totgeküsst.

  • 14. Mai - Bonifatius

  •    Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.

  • 15. Mai - Kalte Sophie (in Süddeutschland, Österreich, Schweiz)

  •     Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte daher      gerannt!


    Gärtner, die zu früh aussäen laufen durchaus Gefahr, Frostschäden am Saatgut zu bekommen. Auch Topfplanzen sollten erst nach den Eisheiligen ins Freie gebracht werden, da Pflanzenteile erfrieren könnten.

    Friedrich der Große hatte sich einmal über alle Regeln hinweggesetzt und seine Gärtner angewiesen, seine frostempfindlichen, wertvollen Pflanzen während der Eisheiligen über Nacht im Freien zu lassen. Die "gestrengen Herren" haben ihn sehr schnell die Richtigkeit des Volksglaubens gelehrt. Er büßte all seine wertvollen Orangenbäume ein.

    Design by on-mouseover.de

    Gestaltung 

    counter