Erntedank

Mit dem Erntedankfest soll an die Arbeit in Landwirtschaft und Gärten erinnert werden und daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. Die Menschen sagen Dank für eine gute Ernte.

Der Ursprung des Erntedanks reicht bis in vorchristliche Zeit zurück, in der katholischen Kirche sind Erntedankfeiern seit dem 3. Jahrhundert überliefert. Im Jahr 1773 wurde erstmalig in Preußen ein regelmäßiges Erntedankfest eingeführt. Für Deutschland legte die deutsche katholische Kirche 1972 den heutigen Termin auf den ersten Sonntag im Oktober fest.


Brauchtum
Bei den Erntedankfeiern in der Kirche werden Feldfrüchte und Getreide dekorativ aufgebaut. Am Anschluß an den Gottesdienst wird eine Erntekrone, die vorwiegend aus Getreide oder Weinreben geflochten ist, in einer Prozession durch das Gemeindegebiet getragen.

In manchen Gegenden wird aus den Getreidegarben eine "Erntepuppe" gefertigt, die entweder als "Opfergabe" auf dem Feld aufgestellt oder zum Fest mitgenommen wird.

In früheren Zeiten überreichten an Erntedank die Erntehelfer dem Gutsherrn häufig eine Erntekrone oder einen Erntekranz. Der Gutsherr lud seine Erntehelfer zu einem Fest mit einem Festessen und Tanz ein.

Ein traditionelles Erntedankessen in Schottland ist "Hotch-Potch", eine "Erntesuppe" aus Fleisch und Gemüse.

In ländlichen Gegenden bzw. im Gebirge fällt mit dem Erntedanktag der sogenannte Almabtrieb zusammen. Hierbei werden die Tiere (meist Kühe), die den Sommer auf der Alm verbracht haben, wieder ins Tal zurück getrieben. Die Kühe werden mit buntem Schmuck und Blumen sowie unterschiedlich klingenden Glocken behängt, wobei traditionsgemäß, die Tiere nur dann mit Blumen und Kränzen geschmückt werden, wenn es im gleichen Jahr kein krankes oder gestorbenes Vieh gab und wenn auch in der Bauernfamilie niemand verstorben ist Der Almabtrieb wird von den Dorfbewohnern begleitet und hat volksfestartigen Charakter.


Einige Beispiele, wie in der Antike der Erntedank gefeiert wurde:

Christentum

Im 1. Buch Mose steht, daß Kain ein Opfer von den Früchten des Feldes und Abel ein Opfer von den Jungtieren seiner Herde brachte.


Das antike Griechenland

Die alten Griechen huldigten vielen Göttern und Göttinen. Demeter, der Göttin der Feldfrüchte, wurde im Herbst mit dem 3-tägigen Thesmosphoria-Fest gedankt. Am ersten Tag des Festes bauten die verheirateten Frauen Hütten aus Laub und möblierten sie mit Sitzgelegenheiten aus Pflanzen. Am zweiten Tag wurde gefastet. Am dritten Tag wurde ein Fest gefeiert und Opfer für die Göttin Demeter dargebracht: Getreidesamen, Kuchen, Früchte und Schweine. Die Menschen hofften, Demeter würde ihnen aus Dankbarkeit eine gute Ernte schenken.


Das antike Rom

Jährlich am 4. Oktober feierten die Römer das "Cerelia" zu Ehren der Getreide-Göttin Ceres. Während der Feierlichkeiten, die aus Musik, Spielen, Sport und Paraden bestanden, wurden der Göttin die ersten Ernteerträge und Schweine geopfert.


Die alten Chinesen

Die alten Chinesen feierten ihr Erntefest, Chung Ch'ui, in der Vollmondnacht, die auf den 15. Tag des 8. Monats fällt. Sie glaubten, dieser Tag sei der Geburtstag des Mondes. Zur Feier des Tages wurden "Mondkekse" gebacken, die -wie der Mond- rund und gelb waren. Während hierzulande oft vom Mann im Mond gesprochen wurde, glaubten die Chinesen, ein Hasengesicht zu sehen und verzierten deshalb ihre Mondkekse mit einem Hasengesicht. In China war das Erntedankfest ein Familienfest. Beim Erntedank-Mahl wurden gebratene Schweine, Früchte und Mondkekse gegessen. Die Chinesen glaubten auch, dass während des 3-tägigen Erntedankfestes Blumen vom Mond fallen und die Person, die diese Blumen sieht, sehr viel Glück hat. Über die Mondkekse gibt es auch noch eine andere Legende:
Als feindliche Stämme China eroberten und die Einwohner aus ihren Häusern vertrieben, waren die Chinesen obdachlos und ohne Nahrungsvorräte. Viele starben. Um sich der Invasoren zu entledigen beschlossen sie, diese anzugreifen. Die Frauen backten Mondkekse, die an alle Familien verteilt wurden. In jedem Keks war ein Zettel mit dem Zeitpunkt des Gegenangriffs eingebacken. Die Feinde wurden durch den Angriff völlig überrascht und besiegt.


Die Hebräer

Auch jüdische Familien begingen ein Erntefest, das Sukkoth genannt wurde. Sukkoth wird seit über 3000 Jahren im Herbst gefeiert.Sukkoth ist unter zwei Namen bekannt: Hag ha Succot, das Laubhütten-Fest, und Hag ha Asif, das Fest der Ernte-Einbringung. Sukkoth beginnt am 15. Tag des hebräischen Monats "Tishri", 5 Tage nach Yom Kippur, dem höchsten Feiertag im jüdischen Kalender. Der Name "Sukkoth" geht zurück auf die Hütten ("succot"), in denen Mose und die Israeliten während ihrer 40jährigen Wanderung durch die Wüste lebten, bevor sie das Gelobte Land erreichten. Diese Hütten wurden aus Zweigen errichtet und waren leicht aufzubauen, auseinanderzunehmen und zu transportieren, während die Israeliten durch die Wüste zogen. Um das Laubhüttenfest, das 8 Tage dauert, zu feiern, bauen die Juden kleine Hütten aus Zweigen, welche an die Hütten ihrer Vorfahren erinnern. Diese Hütten werden als vorübergehende Unterstände errichtet, da die Zweige nicht im Boden verankert werden. Die Dächer werden mit Laub gedeckt, mit Lücken, um das Licht hereinzulassen. In die Hütten werden Früchte und Gemüse gehängt, darunter Äpfel, Trauben, Getreide und Granatäpfel. Während der ersten beiden Nächte von Sukkot nehmen die Familien ihre Mahlzeiten in den Hütten unter dem Nachthimmel zu sich.


Ägypten

Zur ägyptischen Erntezeit im Frühjahr feierten die alten Ägypter ihr Erntefest zu Ehren des Pflanzen- u. Fruchtbarkeitsgottes Min. Der Pharao nahm an dem Min-Fest teil, bei dem eine Parade stattfand und anschließend Musik und Tanz. Die alten Ägypter glaubten, dass in den Feldfrüchten und im Getreide Geister wohnen. Deshalb weinten sie bei der Ernte und täuschten Trauer vor, um die Geister zu überlisten, damit diese nicht böse wurden, wenn ihr Heim zerstört wurde.



Thanksgiving

Das Erntedankfest in den USA und Kanada heißt Thanksgiving. In den USA wird Thanksgiving am 4. Donnerstag im November gefeiert. Es ist ein offizieller Feiertag und viele Amerikaner sehen ihn als höchsten Feiertag an.
Kanada feiert Thanksgiving am 2. Montag im Oktober.

Beide Termine werden gerne für ein verlängertes Wochenende genutzt. Da in den USA Thanksgiving an einem Donnerstag gefeiert wird, nutzen die Amerikaner den darauf folgenden Freitag gerne, um die ersten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Nach Thanksgiving wird dann begonnen, das Haus weihnachtlich zu schmücken.

Der Ursprung des Thanksgiving ist sehr vielfältiger Art. Die ersten Erntedankfeste feierten spanische Eroberer in Texas und Florida mit den Indianern in den Jahren 1541, 1565 und 1598. Weiterhin wird von einem Erntedankfest berichtet, das engl. Einwanderer 1619 in Virginia feierten und im Herbst 1621 feierten eingewanderte Pilgerväter in Massachussetts ein Erntedankfest mit eingeborenen Indianern, die sie in dem harten Winter zuvor vor dem Verhungern gerettet haben.

Eine andere Quelle besagt, dass 1623 eine große Trockenheit die Ernte dieser Gruppe von Pilgervätern zu vernichten drohte. Sie legten einen Tag des innigen Gebets und der Demütigung fest und baten Gott um Hilfe. Gott erhörte ihre Gebete. Für diese Barmherzigkeit setzten sie einen festen Termin des Erntedankes fest. Es ist dieses Fest, auf das die US-Amerikaner und die Kanadier ihr Thanksgiving zurückf�hren.


Brauch

Thanksgiving wird als großes Familienfest begangen. Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen und die erwachsenen Kinder feiern dieses Fest traditionell mit ähnlichen Speisen, die wahrscheinlich am ersten Erntedankfest zubereitet wurden: gefüllter Truthahn mit einer reichen Auswahl von Beilagen, Gemüse und Mais sowie Nachspeisen wie z.B. Cranberrysoße, Äpfel, Nüsse, Kürbis- und Apfelauflauf.

Meist werden vor oder während des Thanksgiving-Essens Gebete gesprochen. Jeder Teilnehmer bekennt, wofür er in diesem Jahr besonders dankbar ist. Dieser Brauch variiert allerdings von Familie zu Familie, auch von Bundesstaat zu Bundesstaat.

Design by on-mouseover.de

Gestaltung 

counter