St. Martin

Am 11. November ist Martinstag

Die Geschichte vom heiligen Martin erzählt von etwas sehr Wertvollem: von Nächstenliebe. Martin war römischer Soldat in Tours in Frankreich. An einem kalten Wintertag ritt er mit seinem Pferd durch das Stadttor von Tours und sah einen fast nackten, frierenden Bettler am Boden liegen. Der arme Mann flehte die vorüber gehenden Menschen an, ihm zu helfen, doch sie gingen achtlos an ihm vorbei. Martin war über die Hartherzigkeit der Menschen entsetzt. Er nahm sein Schwert und schnitt seinen Mantel entzwei. Die eine Hälfte gab er dem frierenden Bettler, damit er sich damit wärmen konnte, mit der anderen Hälfte wickelte er sich selbst ein.
Dieser barmherzigen Tat verdankt Martin seinen Ruf und bis heute gehört er zu den beliebtesten Volksheiligen. Am 8.11.397 n.Chr. ist Martin im Alter von 81 Jahren gestorben. Als Bischof von Tours und Apostel von Gallien gründete er das erste Kloster in Gallien. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde Martin am 11.11. beerdigt. Wir gedenken des Heiligen daher an seinem Beerdigungstag.


Warum ist es Tradition, am 11.11. eine Gans, die "Martinsgans", zu essen?

Der Brauch, am Martinstag einen Gänsebraten zu essen, ist wahrschein darauf zurückzuführen, dass die Bauern früher an diesem Tag ihren Pachtzins zahlten, unter anderem eben auch Gänse. In vielen Regionen endete die Wein- und Kornernte am Martinstag, ebenso die Dienst- und Pachtverhältnisse. Das Gesinde bekam seinen Lohn, die Lehnsherren erhielten ihren Pachtzins in Naturalien, darunter waren auch Gänse, die abends als Festessen auf den Tisch kamen. Von nun an begann die Winterwirtschaft, d.h. die Arbeiten wurden bis zum Frühjahr im Haus durchgeführt.

Der wohl bekannteste und beliebteste Martinsbrauch heutzutage ist der Laternenumzug. In vielen Gegenden ziehen Kinder anschließend noch mit ihren Laternchen von Haus zu Haus und bitten um "milde Gaben", die sie in Form von Süßigkeiten erhalten.

Dies ist eine kurze Erklärung für Kinder.

Erwachsene können Martin's ausführliche Geschichte hier nachlesen



LIEDER ZUM MARTINSTAG


Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
Brenne auf mein Licht, brenne auf mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht.

Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne.
Sperrt ihn ein den Wind, sperrt ihn ein den Wind,
er soll warten bis wir zu Hause sind!

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
Bleibe hell mein Licht, bleibe hell mein Licht,
denn sonst strahlt meine liebe Laterne nicht.

(Volksgut)


Martin war ein frommer Mann

Martin, Martin, Martin war ein fommer Mann.
Zündet viele Lichter an,
dass er oben sehen kann,
was er unten hat getan.

Martin, Martin, Martin ritt durch dunklen Wald,
Wind, der wehte bitterkalt.
Saß am Weg ein Bettler alt,
wäre gar erfroren bald.

Martin, Martin, Martin hält und unverweilt
seinen Mantel mit ihm teilt.
Ohne Dank er weiter eilt.
Bettlers Not war nun geheilt.

(Verfasser unbekannt)



GEDICHT ZUM MARTINSTAG


Sankt Martin

St. Martin mit viel Rittersleut
wohl übers Feld zum Jagen reit't
und als sie kamen an einen Hag,
ein nackter Mann an der Straße lag.
Dem klapperten vor Frost die Zähne,
und an der Wimper fror ihm die Träne.
Er rang die Hände und bat mit Beben:
Sie möchten ihm ein Almosen geben. -
Und all die Ritter zogen fürbaß,
dem nackten Armen gab keiner was;
sie wendeten von ihm das Angesicht,
die Jammergestalt zu schauen nicht.
Der Martin aber sein Roß hielt an:
"Von mir, du Armer, sollst was han!"
Er nimmt sein Schwert und alsogleich
haut er seinen Mantel, gesticket reich
mit Gold und Silber, entzwei in Eil
und gibt dem Nackten den einen Teil,
die andre Hälfte er selber behalt't,
und reitet den andern nach in den Wald.
Und wie den Martinus erblicket die Rott,
überhäufen sie ihn mit Hohn und Spott:
"Da seht nur einmal den Narren an,
teilt sein Kleid mit dem Bettelmann;
der halbe Mantel steht ihm gar schön,
er kann damit zum Bankette gehn,
damit ihn künftig mag jeder kennen,
so woll'n wir den halben Ritter ihn nennen."
Sie lachten und witzelten noch gar viel,
Martinus war all ihres Spottes Ziel. -
Doch wie der Abend zu dämmern beginnt,
so wehet ein kalter schneidiger Wind;
die Ritter hüllen sich alle fein
in ihre großen Mäntel ein
und wollen reiten sogleich von hinnen,
doch konnten sie keinen Ausweg gewinnen,
nur immer tiefer kamen's in den Wald,
und pfiff der Wind noch einmal so kalt;
sie jammerten sehr und vermeinten schier,
sie müßten vor Kälte heut sterben hier.
Martinus nur mit dem halben Kleid,
empfindet's nicht, daß der Wind so schneid't,
er lachet über ihr Schnappern und Bangen
und sitzt auf dem Roß mit glühenden Wangen.
Und jetzo ein roserifarbiges Licht
hervor aus der dunkelen Wildnis bricht,
und unter die Starrenden tritt heran
Herr Christ, mit dem halben Kleid angetan,
das jenem Armen Martinus gegeben,
und um ihn herum seine Engelein schweben.
Und Jesus sich zu Martino wendet:
"Ja wahrlich, was Ihr den Armen spendet,
das habet Ihr mir selber gegeben,
und Früchte trägt's Euch im Tod und Leben,
jedwede Wohltat noch so klein,
wird Euch erwärmen und lohnend sein!"

Sie fielen all auf ihr Angesicht,
und Jesus verschwand; doch des Glaubens Licht,
es leuchtete über dem heidnischen Haufen,
sie ließen sich alle zu Christen taufen.

Ignaz Franz Castelli (1751-1862)

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