Siebenschläfertag

Nichts zu tun hat der kalendarische Siebenschläfer am 27. Juni mit der gleichnamigen Schlafmaus, der man nachsagt, dass sie von den zwölf Monaten des Jahres sieben verschlafe.

In früheren Zeiten war der Siebenschläfertag ein kirchlicher Feiertag, während er heute nur noch als Lostag für das künftige Sommerwetter gilt, aber fast in Vergessenheit geraten ist. Nur noch in ländlichen Gebieten wird daran gedacht und dem Wetter an diesem Tag besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die alten Bauernregeln wurden schon lange vor der Gregorianischen Kalenderreform 1582 aufgestellt. Papst Gregor XIII ließ damals von einem auf den anderen Tag den bis dato gültigen Julianischen Kalender durch den Gregorianischen Kalender ersetzen und strich dabei 10 Tage, so dass z.B. auf den 4. Oktober nicht der 5., sondern gleich der 15. Oktober folgte. Demzufolge wäre für die Siebenschläfer-Regel eigentlich der 7. Juli der richtige Tag und alle weiteren Bauernregel müssten für ihre Genauigkeit noch 10 Tage nach hinten geschoben werden.

Die Bauern damals kannten den Begriff Klimatologie noch nicht und haben ihre Regeln nach Beobachtungen und Erfahrungen aufgestellt. Lange waren diese Bauernregeln in Verruf, sind aber längst rehabilitiert.

Heute weiß man nämlich, dass für das Sommerwetter der Jetstream verantwortlich ist. Dies ist ein starkes Windband, das sich in 5-10 km Höhe in Ost-West-Richtung bewegt. Ende Juni prallen über Deutschland 2 Luftströmungen aufeinander. Polare Kaltluft dringt aus dem Norden vor und von Süden strömt tropische Warmluft ein. Liegt die Front, wo Kaltluft- und Warmluftströmung zusammentreffen im Norden, bestimmen Azorenhochs unser Wetter und es gibt vorwiegend einen warmen Sommer. Liegt die Front dagegen im Süden, sorgen Islandtiefs für einen kühlen und nassen Sommer. Die Wetterlage stabilisiert sich und es entscheidet sich, von welcher Luftströmung das Sommerwetter beeinflusst wird.
Tatsächlich fällt dann das Wetter der folgenden 7 Wochen zu 63 % ähnlich wie Ende Juni/Anfang Juli aus. Nimmt man zur Langzeitprognose das Datum des Julianischen Kalenders ( 7. Juli - als die Bauernregeln aufgestellt wurden), dann liegt die Trefferquote sogar über 70 %.



Obwohl die Bauern dies alles nicht wußten, haben sie für Siebenschläfer über 1000 Wetterregeln aufgestellt, die auch heute noch weitestgehend Gültigkeit haben.

"Ist Siebenschläfertag ein Regentag, regnet's noch sieben Wochen danach."
"Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, so regnet's sieben ganze Wochen."
"Wenn's am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet."
"Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag."
"Wie's Wetter am Siebenschläfertag, so der Juli werden mag."
"Ist der Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass."
"Regnet's am Siebenschläfertag, es sieben Wochen regnen mag."

Diese Wetterregeln bewahrheiten sich heute noch im Süden Deutschlands in 8 von 10 Sommern, während die Trefferquote im Norden immerhin noch bei 67 % liegt.

Der Siebenschläfertag ist im kirchlichen Namenskalender sieben Jünglingen aus Ephesus gewidmet. Lange wurden sie als Heilige verehrt. Sie wurden durch eine Legende bekannt, die Gregor von Tours (538-594) erstmals ins Lateinische übersetzt hat. Diese Legende ist seit dem 5. Jahrhundert schriftlich belegbar und existiert in der Ostkirche in mehreren syrischen und griechischen Varianten sowie in div. orientalischen Sprachen. Abgewandelt erscheint sie auch im Koran (18. Sure). In Deutschland wurde die Legende und der Kult der Siebenschläfer während der Zeit der Kreuzzüge und des Barock populär.


Die Legende

Der römische Kaiser Decius kommt im Jahr 251 nach Ephesus, um die Opferung für die heidnischen Götter und die Christenverfolgung persönlich zu überwachen. Einige Christen versteckten sich oder wurden verfolgt und starben den Märtyrertod. Die Leichen wurden auf den Stadtmauern gestapelt, die unter der großen Menge einzustürzen drohten. Sieben junge Christen, Söhne aus vornehmen Familien, waren als Palastdiener bei Decius angestellt und wurden von ihren Kollegen verraten. Sie wurden zu Decius gebracht und als sie sich weigerten, den heidnischen Göttern zu opfern, gewährte ihnen dieser aufgrund ihres jugendlichen Alters eine Bedenkzeit und reiste in die umliegenden Städte ab.

Sie fassen den Beschluss, sich in einer Höhle zu verstecken, um in Ruhe zu Gott beten zu können. Der jüngste von ihnen ging regelmäßig in die Stadt, um Lebensmittel zu kaufen. Zu diesem Zweck verkleidete er sich als Bettler. Eines Tages kehrte Decius nach Ephesus zurück und der Junge beeilte sich, in die Höhle zurück zu kommen. Dadurch konnte er nicht genug Brot kaufen. Die sieben Jünglinge brachen in Wehklagen aus, verspeisten ihre wenigen Lebensmittel und legten ihre Seelen in Gottes Hände. So schliefen sie sanft ein.

Decius ließ nach den 7 Jünglingen suchen und da sie nicht gefunden werden konnten, drohte er den Vätern der Jungen Folter an, wenn sie ihm nicht sagten, wo sich die Söhne befanden. Angesichts der Folterandrohung verrieten die Väter das Versteck. Decius glaubte, die Sieben würden noch leben und ließ den Höhleneingang zumauern.

Zwei weitere christliche Diener des Kaisers, Rufinus und Theodorus, schrieben das Geschehen auf bleierne Tafeln. Verborgen in einer Schatulle versteckten sie die Tafeln unter einem Stein am Höhleneingang. Bald darauf starb Decius.

Im 38. Regierungsjahr des Kaisers Theodosius bestritten Häretiker die Auferstehung von den Toten und Theodosius war in seinem Glauben noch nicht sehr gefestigt. Zur gleichen Zeit wollte in Ephesus Adolius einen Schafstall bauen und ließ dafür die Steine von der Höhle verwenden. Als die Höhle geöffnet war, gab Gott den sieben Jünglingen neues Leben. Sie erwachten, erkannten aber nicht, dass sie 200 Jahre lang geschlafen haben.

Der Jügste von ihnen nahm sich etwas Geld, um in die Stadt zu schleichen und Lebensmittel zu kaufen. Am Höhleneingang erschrak er, weil er sich die vielen Steine nicht erklären konnte. Auch in der Stadt war er sehr verwundert, denn auf den Stadttoren standen Kreuze, die Menschen beteten zu Gott und viele Gebäude kannte er überhaupt nicht. Der Händler, bei dem er Brote kaufen wollte, kannte die Goldmünze nicht, auf der noch das Bild von Kaiser Decius abgebildet war. Er ließ den Jungen fesseln und durch die Stadt zum Bischof und zum Statthalter führen. Beim Verhör erfuhr der Jüngling dann, dass Kaiser Decius schon lange gestorben war. Er führte daraufhin das Volk zur Höhle, wo der Bischof die verborgenen Bleitafeln von Theodorus und Rufinus entdeckte. Als das Volk die Höhle betrat, erglühten die Gesichter der 7 Jünglinge und glänzten wie Licht. Das Volk dankte Gott, dass es dieses Wunder sehen durfte und schon bald erfuhr auch Kaiser Theodosius davon. Als der Kaiser in Ephesus eintraf, bezeugten die Sieben ihre Auferweckung und entschliefen dann endgültig.

Des Kaisers Glaube wurde dadurch gefestigt und er ließ daraufhin über der Höhle eine Kirche bauen.


Je nach Überlieferung hatten die 7 Jünglinge verschiedene Namen:

in lateinischer Übersetzung hießen sie: Maximilianus, Malchus, Martinianus, Constantinus, Dionysius, Johannes, Serapion

in griechischer Übersetzung: Achilledes, Diomedes, Eugenius, Stephanus, Probatius, Sabbatius, Quiriacus


Touristen, die das Ruinengelände von Ephesus besuchen, können dort auch die Grotte der 7 Schläfer besichtigen.



Brauch

Einen kuriosen Feiertag begehen jedes Jahr die Finnen in der Stadt Naantali. Morgens um 7 Uhr wird am 27. Juni, dem Siebenschläfertag, eine prominente Person des öffentlichen Lebens aus dem Bett geholt und in das Hafenbecken geworfen. Erst wenn diese Person sich am Steg hochzieht, um das Meer wieder zu verlassen wissen die anwesenden Zuschauer und das Fernseh-Publikum, wem die Ehre zuteil wurde, als nationaler Siebenschläfer zu gelten. Der restliche Tag wird mit einem Volksfest mit Musik und Tanz sowie Theater u.ä. begangen.

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