Ötzi - der Mann aus dem Eis

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Südtiroler Archäologiemuseum

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© Fotoarchiv Südtiroler Archäologiemuseum


Der Mann aus dem Eis

Vor über 5.000 Jahren stieg ein Mann in die eisigen Höhen der Schnalstaler Gletscher und kam dort um. Im Jahr 1991 wird er zufällig gefunden: mitsamt seiner Kleidung und Ausrüstung, mumifiziert, gefroren - eine archäologische Sensation und eine einzigartige Momentaufnahme eines kupferzeitlichen Menschen.

Nach mehrjährigen Untersuchungen durch hochspezialisierte Forschungsteams sind die Mumie und ihre Beifunde seit März 1998 im Südtiroler Archäologiemuseum der Öffentlichkeit zugänglich.



©Reconstruction by Kennis @ Südtiroler Archäologiemuseum. Foto Ochsenreiter
Rekonstruktion der Mumie anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse.




©Reconstruction by Kennis @ Südtiroler Archäologiemuseum. Foto Ochsenreiter
Rekonstruktion der Mumie anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse.




© Fotoarchiv Südtiroler Archäologiemuseum
Bekleidung und Ausrüstungsgegenstände



Antworten auf viele Fragen rund um den Mann aus dem Eis


1. Die Welt vor 5000 Jahren
Modernste Messungen haben es bestätigt: Ötzi lebte zwischen 3350 und 3100 v. Chr. Stonehenge in England war noch nicht erbaut. Die Pyramiden von Gizeh kamen erst 600 Jahre später. In Europa begann die Kupferzeit. Das Land war dünn besiedelt. Wälder und Sümpfe beherrschten das Bild. Menschliche Siedlungsräume machten sich darin wie Inseln aus, mit Pfaden verbunden. Etwa 30 bis 60 Menschen lebten in einem kupferzeitlichen Dorf. Sie betrieben vorwiegend Ackerbau und Viehzucht.
Europa: hoher Zivilisationsstand, dünn besiedelt, keine Städte

2. Schau – ein Toter!
19. September 1991: Erika und Helmut Simon aus Nürnberg (D) entdeckten bei ihrem Abstieg vom Gipfel eine Leiche. Betroffen meldeten sie ihren makabren Fund auf der Similaunhütte (I). Die ersten Bergungsversuche durch Alpin-Gendarmerie und Bergrettung scheiterten; der Tote steckte zu fest im Eis. Erste Zeitungsberichte erschienen. Am vierten Tag gelang die Bergung. Ein Gerichtsmediziner war dabei, aber noch kein Archäologe. Der Tote wurde mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht und dann ins Institut für Gerichtsmedizin nach Innsbruck.
1991 zufällig entdeckt, nach 4 Tagen geborgen

3. Wo wurde Ötzi gefunden?
Ötzi – wie der Gletschertote bald heißen sollte – wurde auf 3210 m Meereshöhe in einer 2 bis 3 m tiefen, schmalen Felsrinne gefunden, mitten in den Ötztaler Alpen, nahe an der italienisch-österreichischen Staatsgrenze. Zunächst wurde angenommen, die Fundstelle läge in Österreich. Bald aber tauchten Zweifel auf; immerhin lag das Gebiet bei der Grenzfestlegung im Jahr 1922 unter einem 20 m dicken Eispanzer. Das Ergebnis der Nachmessung lieferte die Überraschung: Ötzi gehört dem Land Südtirol.
Nachmessungen bestätigen: Der Fundkomplex gehört Südtirol (Italien).

4. Grabungen in Schnee und Eis
Fünf Tage nach Ötzis Entdeckung wurde erstmals ein Archäologe zugezogen: der Innsbrucker Professor Konrad Spindler. Mit einem Schlag war nun der Tote "mindestens 4000 Jahre" alt und eine archäologische Sensation. Ötzi erscheint weltweit auf den Titelseiten von Tageszeitungen und Magazinen. In einer Notgrabung werden noch vor Wintereinbruch weitere Fundstücke sichergestellt. Erst im nächsten Sommer kann weitergegraben werden – mit Dampfstrahlgeräten, Haartrocknern und Filtersieben. Weitere Sensationen kommen ans Tageslicht.
Grabungen im Eis liefern weitere Sensationen.

5. Warum blieb Ötzi unversehrt?
Es war eine Kette unglaublicher Zufälle: Ötzi starb hoch oben in der ewig kalten Gletscherregion. In einer schützenden Felsrinne blieb er liegen. Die Mumifizierung setzte ein. Spätestens mit Wintereinbruch legte sich Schnee über den Toten – nun lag er tiefgekühlt wie in einem Gefrierfach. Im Laufe der Jahrhunderte strömte Eis über ihn hinweg. Aber es konnte ihm nichts anhaben, denn die Rinne liegt quer zur Fließrichtung des Gletschers.
Kühl und feucht in einer Felsrinne konserviert.

6. Ötzi ein Opa?
Ob Ötzi Großvater war, ist nicht mehr feststellbar. Aber sicher gehörte er zu den ältesten seiner Gemeinschaft. &Oml;tzis Alter bestimmte man mithilfe einer Oberschenkelknochenprobe. Unser Knochengewebe wird nämlich laufend ab- und umgebaut und hat in jedem Alter eine charakteristische Struktur. Ötzis Knochengewebe sieht aus wie das eines etwa 46 Jahre alten Menschen. Für die Kupferzeit war dies ein Greisenalter.
Denkbar ist: Ötzi war Dorfältester.

7. Wie sah Ötzi aus?
Ötzi ist ein Jetztmensch, ein homo sapiens sapiens. In heutigen Kleidern würde er nicht weiter auffallen. Er war etwa 1,60 m groß, hatte Schuhgröße 38 und wog an die 50 kg – Durchschnittsmaße in der Kupferzeit. Heute allerdings wiegt die Mumie nur noch 13 kg und ist auf 1,54 m geschrumpft. Ötzi hatte blaue Augen. Das dunkelbraune Haar trug er schulterlang und offen. Auffällig ist die breite Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen.
Blaue Augen, dunkles Haar, 1,60 m groß, 50 kg schwer

8. Was ist das Besondere an Ötzi?
Bis zum September 1991 konnte man die Jungsteinzeit fast nur anhand von vergleichsweise mageren Überresten – Skeletten, Gräbern, Grabbeigaben – rekonstruieren. Ötzi jedoch wurde mitten aus dem Alltag gerissen und als Feuchtmumie samt vollständiger Bekleidung und Ausrüstung perfekt konserviert. Feuchtmumien sind sehr selten und – sofern gut konserviert – überaus wertvoll. Haut, Haare, Augen, Gewebe, die inneren Organe, ja selbst der Darminhalt sind vorhanden. Jetzt gibt es ein Fenster zu einer verschüttet geglaubten Epoche.
Gewebe, Organe, selbst Kleidung und Ausrüstung blieben erhalten.

9. Was stand auf Ötzis Speiseplan?
Etwa 12 Stunden vor seinem Tod hatte Ötzi noch Fleisch und verschiedene Pflanzen, vor allem Getreide gegessen. Auch winzige Kohlestücke fand man im Darminhalt. Sie verraten, dass das Essen bei offenem Feuer gekocht wurde. Getreide war zu Ötzis Zeit ein Grundnahrungsmittel, das man durch weitere Pflanzen wie Schlehen ,Wildäpfel, Pilze, Beeren oder Hülsenfrüchte ergänzte. Andere Objekte aus Ötzis Fundkomplex, wie Sehnen, Felle, Hörner und Knochen erzählen von der damaligen Tierzucht und Jagd.
Darminhalt: Fleisch und Pflanzen

10. Warum heißt Ötzi „Ötzi“?
"Diese ausgetrocknete, grässlich anzusehende Leiche muss lieblicher werden, um daraus eine gute Story zu machen." So der Wiener Journalist Karl Wendl. Er nannte die Mumie in seinem Zeitungsbericht kurzerhand "Ötzi", in Anlehnung an den Fundort in den Ötztaler Alpen. Bald war der eingängige Kosename in aller Welt bekannt. Offiziell und für die Wissenschaft heißt die Gletschermumie "Der Mann aus dem Eis".
Namensgebung in Anlehnung an die Ötztaler Alpen.

11. Warum kennen wir Ötzis Alter?
Ötzis Alter wurde mithilfe der Radiokarbon-Datierung bestimmt. In der Atmosphäre gibt es radioaktive Kohlenstoff-Isotope (C-14). Sie gelangen durch die Photosynthese in die Pflanzen und über die Nahrungskette in Tiere und Menschen. Mit dem Tod wird diese C-14-Zufuhr unterbrochen und das Kohlenstoff-Isotop abgebaut – aber nur sehr langsam und in ganz bestimmten Raten. Die Restmenge kann man messen. Nach 5730 Jahren z. B. ist noch die Hälfte vorhanden. Bei Ötzi ergab die Messung: Er lebte zwischen 3350 und 3100 v. Chr.
C-14-Datierung bestimmt Alter von über 5000 Jahren.

12. Steinzeitstress
Ötzi war nicht bei guter Gesundheit, als er starb: die Gelenke verschlissen, die Blutgefäße verkalkt, die Zähne abgeschliffen, der Darm von Peitschwürmern befallen. Auf eine chronische Krankheit weist ein Fingernagel hin, den man bei den Nachgrabungen gefunden hatte. Mehr noch: Tiefe Querfurchen zeigen, dass Ötzis Immunsystem etwa 8, 13 und 16 Wochen vor seinem Tod starken Stresssituationen ausgesetzt war. Nachgewiesen wurden auch ein gut verheilter Serienrippen- und ein Nasenbeinbruch.
Typische Alterserscheinungen und starker Stress.

13. Steinzeit-Therapie
Ötzis Körper ist mit etwa 60 Tätowierungen übersät. Im Gegensatz zu modernen Tatoos entstanden sie nicht durch Stiche, sondern durch feine Schnitte. Die Zeichen befinden sich genau dort, wo Ötzi Verschleißerscheinungen hatte und vermutlich große Schmerzen litt – an der Lendenwirbelsäule, am rechten Knie, an den Waden und an den Sprunggelenken. Werden feine Nervenstränge durchtrennt, kann dies eine Schmerzlinderung bewirken. Ötzis Tattoos waren also als Schmerzlinderung und nicht als Körperschmuck gedacht.
Tattoos als Schmerzbehandlung

14. Was verraten Ötzis Zähne?
Der Zahnschmelz jedes Menschen speichert seit der frühesten Kindheit Strontium-, Blei- und Sauerstoff-Isotope. Durch vergleichende Boden- und Wasserproben lässt sich bestimmen, wo ein Mensch gelebt hat. Ötzi stammt demnach aus Südtirol. Die Kindheit verbrachte er irgendwo im Eisacktal, seine letzten Lebensjahre wohl im Vinschgau. Was das kariesfreie Gebiss noch verrät: starker Abrieb durch verunreinigtes Getreide aus Steinmühlen. Die auffällige Abnützung der Schneidezähne zeigt: Ötzi benutzte seine Zähne auch als Werkzeug.
Zähne geben Auskunft über Ötzis Heimat.

15. Medizinische Untersuchungen
Erstmals in der Geschichte der Medizin konnte man an einer 5000 Jahre alten Mumie modernste Untersuchungsmethoden anwenden. Die Computer-Tomographie lieferte dreidimensionale Bilder und ermöglichte z. B. die originalgetreue Schädelmodellherstellung. Deformierungen durch Eisdruck wurden sichtbar. Für die endoskopischen Untersuchungen wurde spezielles Titanwerkzeug entwickelt; sie zeigen Aufnahmen von Ötzis Körperinnerem. Proben wurden entnommen und in alle Welt verschickt.
Medizinische Untersuchungen liefern einzigartige Vergleichsdaten.

16. Ötzis Tod – ein Kriminalfall?
Ötzi starb an den Folgen einer Schussverletzung. Lange Zeit blieb die Pfeilspitze aus Feuerstein unentdeckt; erst 2001 fand man sie bei der Auswertung neuer Röntgenaufnahmen. Der Pfeil war von hinten und aus größerer Entfernung abgeschossen worden. Er durchschlug das linke Schulterblatt, blieb aber knapp vor der Lunge in den Weichteilen stecken. Der Blutverlust war beträchtlich, die Verletzung sehr schmerzhaft, der Arm vermutlich gelähmt. Der Todeskampf zog sich über Stunden hin. Vom Täter keine Spur.
Tödlich verwundet durch Schuss in den Rücken.

17. Warum wurde Ötzi angeschossen?
Ötzi war offensichtlich auf der Flucht. Das legen u. a. unfertige Ausrüstungsgegenstände nahe. Der Mann wollte vor seinem Tod noch schnell einen neuen Bogen und mehrere Pfeile herstellen. Dass unmittelbar vor seinem Tod ein Nahkampf stattfand, zeigt eine tiefe Schnittwunde in Ötzis rechter Hand. Das Motiv für den Schuss aus dem Hinterhalt bleibt im Dunkeln. Ein Stammeskrieg? Ein persönlicher Konflikt? Ein Raubüberfall? Nichts von der Ausrüstung, nicht einmal das Kupferbeil, wurde gestohlen. Ging es um eine Schaf- oder Ziegenherde?
Ötzi war Opfer einer Auseinandersetzung.

18. Wann starb Ötzi?
Zu Ötzis Ausrüstung gehören zwei Birkenrindengefäße. Eines davon benutzte er als Glutbehälter. Die Kohlebrocken wickelte er in frisch gepflückte Spitzahornblätter, wie sie zwischen Juni und September wachsen. Im Darm der Mumie fand man Hopfenbuchenpollen. Pollen werden indirekt über die Nahrung oder Atemluft aufgenommen. Die Hopfenbuche blüht im Juni. Damit steht Ötzis Todeszeit fest: Frühsommer.
Pollen und Pflanzenteile beweisen: Tod im Frühsommer

19. Steinzeit-Look
Ötzi war für das Hochgebirge perfekt ausgerüstet. Ein knielanger Ziegenfellmantel mit modischem Streifenmuster und eine Bärenfellmütze schützten ihn gegen Wind und Kälte, Beinkleider aus Ziegenfell boten optimale Bewegungsfreiheit. Besonders raffiniert ist Ötzis Fußbekleidung: Der "Innenschuh" ist ein Grasnetz mit hineingestopftem Heu als Kälteschutz; der "Außenschuh" besteht aus robustem Hirschleder. Überkreuzte Lederriemen geben der Sohle "Profil". Alle Kleider sind präzise zugeschnitten, sorgfältig genäht und außerordentlich zweckmäßig.
Zweckmäßige Kleidung aus akkurat vernähten Fell- und Lederteilen

20. Perfekte Ausrüstung
Alles, was Ötzi benötigte, um ein Lagerfeuer zu entfachen oder Waffen herzustellen, führte er mit sich. Seine Ausrüstung erlaubte es ihm, auch über längere Zeit seiner Gemeinschaft fernzubleiben. In der Gürteltasche verwahrte Ötzi den Zunderschwamm zum Feuermachen sowie Klingen und Bohrer aus Feuerstein. Der Retuscheur diente zum Bearbeiten der Klingen. Den Dolch im Baumbast-Etui trug er am Gürtel: jederzeit griffbereit. Im Köcher steckten Tiersehnen, ein Bündel Geweihspitzen und 14 Pfeile, zwei davon schussbereit und 12 unfertig. Auch der Bogen ist unfertig.
Komplette Ausstattung mit Werkzeugen und Ersatzmaterial.

21. Das Kupferbeil – Waffe oder Symbol?
Ötzis bestes Stück, das Kupferbeil, ist weltweit das einzige vollständig erhaltene Beil der Urgeschichte. Wegen der weichen Klingenschneide dachte man zunächst, das Beil sei ein Rangabzeichen, ein Statussymbol der Krieger- oder Führungsschicht. Nur Anführer konnten so ein Beil tragen. Gebrauchsspuren sowie Experimente mit einem nachgebildeten Kupferbeil zeigen, dass man mit Ötzis Beil auch Bäume fällen kann.
Das Beil mit Kupferklinge: Statussymbol, Waffe und Werkzeug.

22. Der Bogen –tödliche Waffe
Der 1,82 m lange Bogenstab aus Eibenholz überragte Ötzi um gut 20 cm. Dieser Bogen ist noch nicht schussbereit: Es fehlen der Griffteil und die Kerben für die Sehnenschlaufen. Auch zum Glätten und Einfetten ist Ötzi nicht mehr gekommen – der Tod war schneller. Versuche zeigten, dass man mit einem derartigen Bogen auf 30 bis 50 m problemlos Wildtiere erlegen kann. Auf 30 m wird ein Hirsch glatt durchschossen.
Der unfertige Bogen aus Eibenholz: zielsicher und absolut tödlich.

23. Warum war Ötzi im Hochgebirge unterwegs?
Die Menschen hatten schon damals einen großen Bewegungsradius und pflegten Handelskontakte über weite Strecken. Das Hochgebirge war ihnen vertraut. Dort suchten sie nach Erzlagerstätten, dorthin brachten sie ihre Ziegen und Schafe zur Sommerweide. Noch heute treiben Schnalstaler Bauern ihre Schafe über die Staatsgrenze auf die Ötztaler Hochalmen. Es ist derselbe Übergang, den auch Ötzi auf seinem letzten Weg benutzte. Floh Ötzi in eine Gegend, die er gut kannte? War er ein Wanderhirte?
Von Süden nach Norden in bekanntem Gelände unterwegs

24. Wo lebte Ötzi?
Ötzi lebte südlich des Alpenhauptkammes. Hinweise darauf geben Pollen, Zähne und Hölzer, aber auch Ötzis Feuerstein aus der Gardaseegegend und sein Beil, dessen Form aus der Remedello-Kultur in der Po-Ebene bekannt ist. Ötzi könnte ein Mitglied der alpinen Kulturgruppe "Tamins-Carasso-Isera 5" im Vinschgau gewesen sein. Doch eine genaue Zuordnung ist schwierig, da Ötzi keine Keramik mit sich führte. Jede Kulturgruppe hatte eine eigene Art, Ton zu formen, zu verzieren und zu brennen.
Mitglied der ersten eigenständigen alpinen Kulturgruppe?

25. Heimkehr nach Bozen
Sechs Jahre blieb Ötzi in der Obhut der Universität Innsbruck. 1998 kehrte er zurück in das Land, von wo aus er zu seinem letzten Gang aufgebrochen war. Seitdem ist das Südtiroler Archäologiemuseum seine letzte Ruhestätte – mit interaktiven Multimediastationen, Events und Forschung rund ums Jahr. Hier liegt Ötzi, im Halbdunkel und streng bewacht. Fasziniert, staunend, aber auch seltsam berührt treten Besucher aus aller Welt einem Zeugen ihrer eigenen Vergangenheit gegenüber.
Aufbewahrt und ausgestellt im Südtiroler Archäologiemuseum.

26. Hightech für eine Mumie
Damit Ötzi nicht verwest und weiterhin erforscht werden kann, muss er unter ähnlichen Bedingungen konserviert werden, wie sie über 5000 Jahre im Gletscher herrschten: eisige Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit. Diese Bedingungen galt es nun herzustellen. Ein weltweit einzigartiges Kühlsystem wurde entwickelt, das es zudem erlaubt, die Mumie der Öffentlichkeit zu zeigen. Um den Feuchtigkeitsverlust der Mumie zu verhindern, wird sie mit Wasser besprüht, sodass sich an der Oberfläche eine feine Eisschicht bildet.
Konservierung durch Nachahmung der Verhältnisse im Eis.

27. Fachmann für Spezialhölzer?
Ötzis Ausrüstung besteht aus natürlichen Rohstoffen wie Leder, Holz und Gras. Erstaunlich ist die Vielfalt der verwendeten Hölzer. Offensichtlich wurde für jedes Ausrüstungsstück das jeweils am besten geeignete Material ausgewählt: harzfreie, zähe Eibe etwa für Bogenstab und Beilholm, geradwüchsiger Wolliger Schneeball für Pfeilschäfte, harte Esche für den Dolchgriff, elastische Hasel für den gebogenen Rahmen der Rückentrage. Die Menschen der Jungsteinzeit besaßen ein ausgereiftes Detailwissen, das unserer modernen Zivilisation vielfach verloren gegangen ist.
Ötzis Hölzer: erstaunliche Vielfalt, gezielte Auswahl.

28. War Ötzi gar nicht alleine?
Die wohl ältesten Hirschlausfliegen, die jemals gefunden wurden, stammen von tierischen Haarproben aus Ötzis Beifunden. Hirschlausfliegen sind Blutsauger, die vor allem Wildtiere, gelegentlich aber auch Menschen befallen. Trotz eingehender Untersuchungen wurden an Ötzis Haaren keine Läuse festgestellt. In die Kleidung jedoch hatten sich zwei Menschenflöhe verirrt, und im Darminhalt fand man Eier des Peitschenwurms.
Mehrere kleine Tiere wurden gefunden.


© Fotoarchiv Südtiroler Archäologiemuseum



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Auch in Planet Wissen kannst Du viel über "Ötzi" nachlesen.



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